Die "Tuchhändler"-Reihe

Im Frühjahr 1997 startete mit meinem ersten publizierten Roman, DER TUCHHÄNDLER, eine fünfteilige Reihe von historischen Detektivgeschichten. Natürlich wusste ich damals noch nicht, dass es insgesamt fünf Geschichten sein würden, die ich um meinen Helden Peter Bernward erzählen würde.

Erst nach dem immensen Erfolg des TUCHHÄNDLERS und den vielen Anfragen der Leserinnen und Leser nach einer Fortsetzung begann ich darüber nachzudenken, eine Kurzserie um Peter Bernward zu konzipieren. Es sollten entweder drei oder fünf Romane werden, soviel stand fest; die Geschichten sollten in sich abgeschlossen sein und dennoch von einer Rahmenhandlung zusammengehalten werden.

Die Rahmenhandlung ergab sich relativ einfach. Das Thema des TUCHHÄNDLERS ist die Überwindung der Vergangenheit. In der Romanhandlung wird dies zum einen dadurch dargestellt, dass Ereignisse einen düsteren Schatten über die bevorstehende Hochzeit zwischen dem Landshuter Herzog Georg und seiner polnischen Braut und Königstochter Hedwig werfen, die sechzig Jahre vorher in einem blutigen Bürgeraufstand ihren Anfang genommen haben. Zum zweiten ist das Thema in der Person von Peter Bernward selbst begründet, der seine Familie hat auseinanderbrechen lassen und sich von seinem besten Freund und Mentor, dem Bischof von Augsburg, im Streit getrennt hat. DER TUCHHÄNDLER schildert im charakterlichen Entwicklungsbogen Peters, wie er die Erstarrung seiner früheren Fehler abschüttelt und versucht, wieder am Leben teilzunehmen. Die Rahmenhandlung der gesamten Reihe erzählt, wie Peter nach und nach den Mut findet, das Leben an sich heranzulassen und darauf zu vertrauen, dass er nicht für jeden schönen Moment sofort die Rechnung in Gestalt einer persönlichen Tragödie vorgelegt bekommt.

Die einzelnen, in sich abgeschlossenen Romanhandlungen haben immer mit historischen Ereignissen zu tun, in die Peter verwickelt wird und vor deren Hintergrund sich ein Kriminalfall abspielt, der mit den wahren Geschehnissen verzahnt ist, ohne diese historisch zu verzerren. Jeder dieser Fälle berührt Peter auf einer ganz persönlichen Ebene, sei es, weil Menschen, die er liebt, in sie hineingezogen werden, sei es, weil sie ihm bei der Aufarbeitung seiner Vergangenheit in die Quere kommen.

Die ersten zwei Peter-Bernward-Romane sind als Hardcover beim nymphenburger Verlag erscheinen, die restlichen drei sowie alle Taschenbücher bei Lübbe. DER TUCHHÄNDLER, sozusagen die Auftaktgeschichte, erschien daneben in mehreren Tageszeitungen als Fortsetzungsroman, als condensed version bei Reader’s Digest und verkaufte innerhalb weniger Wochen nach seinem Erscheinen die Filmrechte; EINE MESSE FÜR DIE MEDICI wurde in mehrere Sprachen übersetzt und wird in Buchläden in Florenz als Pflichtlektüre für Besucher der toskanischen Hauptstadt empfohlen. DIE SCHWARZEN WASSER VON SAN MARCO erhielten von amazon.de eine Sonderempfehlung, mit dem SPIEL DES ALCHIMISTEN bekam ich den Kulturförderpreis der Stadt Landshut, und DER SOHN DES TUCHHÄNDLERS liegt als einer der wenigen Vertreter deutscher Unterhaltungsliteratur und als einziger deutschsprachiger historischer Roman im deutschen Buchladen neben dem Dom in Krakau.

.Ich nehme für alle wichtigen Charaktere in meinen Romanen Schauspieler als Vorlage. Dieses Casting findet schon während der Konzeptarbeit statt, da sich in meinen Geschichten die Persönlichkeiten der Helden, der Verlauf der Story und das Thema des Romans ergänzen - eines bedingt das andere, oder, wie F. Scott Fitzgerald geschrieben hat: Handlung ist Charakter. Für Peter Bernward hatte ich von Anfang an den amerikanischen Schauspieler Brian Dennehy vor Augen. 

Beim Casting des Filmprojekts zum TUCHHÄNDLER, für das ich zwei Drehbuchentwürfe schrieb, waren übrigens Sepp Bierbichler und Miroslav Nemec die Favoriten für die Besetzung des Peter-Bernward-Charakters.

Für Jana Dlugosz, die geheimnisvolle Polin, der Peter im TUCHHÄNDLER begegnet und in deren Person sich in den folgenden vier Romanen seine Hoffnungen und Ängste konzentrieren, nahm ich mir die britische Schauspielerin Emma Thompson zum Vorbild.




Der Tuchhändler

ISBN Originalausgabe: ausverkauft
ISBN Taschenbuch: 3-404-12935-0
ISBN Sonderausgabe: 3-485-00763-3





"Wer die Süße des Lebens genießen kann und tut es nicht, der ist ein Narr."

John Gower


Landshut, 1475: Die reiche Handelsstadt Landshut steckt im November 1475 mitten in den fieberhaften Vorbereitungen für eine der größten Hochzeitsfeiern, die die Christenheit je gesehen hat. Zur Vermählung von Georg von Wittelsbach mit Jadwiga von Polen hat sogar der Herr des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation sein Kommen zusagt, der Kaiser.

Alles befindet sich in höchstem Aufruhr, doch offenbar ist nicht jeder an einem glücklichen Ausgang der Verbindung interessiert. Denn dass der rätselhafte Mord an der polnischen Gräfin, die erwürgt in der Baustelle der großen Kathedrale aufgefunden wird, die Hochzeit vereiteln könnte, steht außer Frage. Der Fall im muss im Geheimen aufgeklärt werden und im Wettlauf mit der Zeit. Geeignet scheint der ehemalige Untersuchungsbeamte im Dienste des Bischofs von Augsburg. Aber Peter Bernward übernimmt die Sache nur ungern, erinnert sie ihn doch an seinen letzten Fall, der ihm auch jetzt, nach vielen Jahren, noch immer Alpträume beschert.

Gejagt von den Gespenstern seiner eigenen Vergangenheit, macht sich Bernward schließlich an die unmöglich scheinende Aufklärung. Doch warum legt ihm der Anführer der polnischen Delegation laufend Steine in den Weg? Was hat es mit der Zofe der Ermordeten auf sich, der Zofe mit den teuren Gewändern und dem selbstbewussten Auftreten einer vornehmen Dame? Und wer ist der Tote mit dem zerstörten Gesicht, den der Fluss freigibt?

Die Zeit wird knapp, und die Ankunft der Braut rückt immer näher...







Eine Messe für die Medici

ISBN Originalausgabe: ausverkauft
ISBN Sonderausgabe: 3-485-00835-4
ISBN Taschenbuch: 3-404-14757-X








"Von so viel Dingen, die ich hab gesehn,
Kann ich durch deine Güte, deinen Halt,
Die Gnade und die Kraft nun ganz verstehn."

Dante Alighieri, Paradies XXXI


Florenz, 1478: Zu Ostern des Jahres 1478 ist die Lage in Italien gespannt. Es ist noch keine zwei Jahre her, da Herzog Sforza von Mailand unter den Dolchstößen der Attentäter gefallen ist - und schon streckt Papst Sixtus IV. in seinem Bemühen, den Reichtum seiner Familie und des Vatikans zu mehren, erneut die Hand nach den Republiken aus. Vor allem ein Mann steht ihm im Weg: Lorenzo de Medici, der heimliche Herrscher über Florenz. Nun soll sich auch sein Schicksal erfüllen, und geschickt weiß der Papst die politische Zerrissenheit der schönsten Stadt der Christenheit auszunutzen.

Gespannt ist auch die Lage zwischen dem ehemaligen bischöflichen Untersuchungsbeamten und Kaufmann Peter Bernward und seiner Gefährtin Jana Dlugosz. Vor mehr als zwei Jahren hat Bernward seine Heimatstadt Landshut verlassen, um der zweiten großen Liebe seines Lebens bis nach Florenz zu folgen - doch nun drohen Janas Ehrgeiz und Peters ständige Einmischungen in ihre Geschäfte ihre Liebe aufzureiben. Die Frage, ob er bei ihr bleiben oder sie verlassen soll, um sich endlich seiner auseinanderfallenden Familie zu widmen, kann auch Peters tapsiger Schwiegersohn Johann Kleinschmidt nicht beantworten.
Dann greifen die Pläne des Papstes, und Lorenzos Bruder Giuliano wird während der Ostermesse im Dom zu Florenz ermordet. Peter glaubt seinen Ohren nicht zu trauen, als die Nachricht verbreitet wird, Jana sei als Mitverschwörerin verhaftet worden. Alle Beweise sprechen gegen sie. Auch Peter beginnt an ihr zu zweifeln. Haben Ehrgeiz und Machthunger sie in eine verhängnisvolle Falle getrieben? Plötzlich sieht er sich vor die Frage gestellt: Soll er seinen Überzeugungen treu bleiben oder einer Liebe, von der er nicht mehr weiß, ob sie noch erwidert wird...

Bald jedoch muss Peter Bernward erfahren, dass alle Menschen, die etwas mit Jana zu tun hatten oder in den Fall verwickelt werden, auf mysteriöse Weise ums Leben kommen. Immer tiefer gewinnt er Einblick, wie nah kunstvollte Prachtentfaltung und menschliche Niedertracht im Florenz der großen Handelshäuser beieinanderliegen.
Peter Bernwards Ringen um seine Liebe zu Jana wird für beide zu einem Kampf ums Überleben. Eine atemlose Enthüllungsgeschichte im Wettlauf mit der Zeit beginnt.






Die schwarzen Wasser von San Marco

ISBN Originalausgabe: 3-7857-2080-7
ISBN Taschenbuch: 3-404-15102-X 






"Wer die Leiter hält, ist so schuldig wie der Dieb."

Deutsches Sprichwort


Venedig, 1478. Die Stadt ist die Herrin des Mittelmeeres, die bedeutendste Handels-metropole der christlichen Welt. Als in den trüben Wassern um das Arsenal vor den Augen Peter Bernwards die Leiche eines Kindes geborgen wird - offenbar die des Kaufmanns-sohnes Pegno Dandolo - scheint dies zunächst gar nicht in die Pracht und Schönheit der Umgebung zu passen. Doch es kommen weitere Kinder ums Leben, zwei Gassenjungen, die als Zeugen gesucht wurden. Wussten sie zu viel? Der deutsche Kaufmann beschließt, den wenigen Spuren nachzugehen.

Nach und Nach gerät Peter Bernward in ein Netz aus Verbrechen und Intrigen, das ihm die dunkle Seite der Stadt offenbart. Venedig befindet sich in der Abenddämmerung seiner Macht; aber in den Abgründen hinter der glänzenden Fassade herrschte bereits finsterste Nacht. Und die ersten, die den düsteren Machenschaften zum Opfer fallen, sind die Kinder.

Im Kampf um die Macht zählt ein Menschenleben nur so viel, wie es zur Erlangung des begehrten Ziels nützt. Peter Bernward und Jana Dlugosz haben dies in Florenz am eigenen Leib erfahren, als sie in den Aufstand gegen Lorenzo de Medici verwickelt wurden. Nun befinden sie sich auf dem Heimweg ins Deutsche Reich. Als sie in Venedig haltmachen, weil Jana erkrankt, macht Peter Bernward die Erfahrung, dass auch in der Serenissima hinter den Kulissen ein gnadenloser Kampf tobt: Nicht um politische Macht, sondern vorrangig um Geld, doch in der bedeutendsten Handelsmetropole der christlichen Welt ist das Geld der wesentliche Machtfaktor.
Voll Sorge um seine Gefährtin,deren Gesundheitszustand schreckliche Erinnungen an den Tod seiner Frau vor zehn Jahren in weckt, kann Peter Bernward doch nicht umhin, den merkwürdigen Todesfällen nachzugehen. Kinder sind diesmal die Opfer, und Peter Bernwards Charakter sowie sein persönliches Schicksal lassen es nicht zu, dass er seine Augen abwenden kann.

In welcher Verbindung steht der mächtige Zehnerrat Giovanni Falier mit Pegno Dandolos Vater? Was bedeutet es, dass der Sklavenhändler Barberro die Märkte der Stadt nach jungen Knaben absucht? Was geschieht noch im Haus der Rara de Jadra, wo mittellose Mädchen eine barmherzige Unterkunft finden? Was hat die Kurtisane Fiuzetta mit all dem zu tun, die junge Frau, die vom Verkauf ihres Körpers lebt und angstvoll festgestellt hat, dass in diesem Körper ein Kind heranwächst?

Während Peter die Antworten zu diesen und vielen anderen Fragen sucht, stößt er immer wieder mit einem Mann zusammen: dem Geheimpolizisten Paolo Calendar. In Paolos Augen ist Venedig ein hochkomplizierter Mechanismus und die Geheimpolizei das Öl im Getriebe der vielen tausend Rädchen; Fremde wie Peter Bernward jedoch die Sandkörnchen, die den ungehemmten Lauf der Rädchen ins Stocken bringen können. Paolo hat jedoch auch ein persönliches Motiv, die Einmischung Peter Bernwards übel zu nehmen, eines, von dem seine eigene Existenz abzuhängen scheint...





Das Spiel des Alchimisten

ISBN Originalausgabe: 3-431-03005-X
ISBN Taschenbuch: 3-404-26594-7





"Ich beschwöre euch, Unholde und Dämonen, wer ihr auch sein mögt, ob Tag- oder Nachtgestalten, im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, dass du Schaden tust und Übel diesem Diener Gottes...."

Mittelalterliche Beschwörungsformel


Augsburg, 1478: Das große Zeitalter der Fugger steht erst bevor; noch ist die Familie lediglich eine von dreien, die sich Einfluß und Vermögen in der freien Reichsstadt Augsburg teilen, noch klingen die Namen Welser und Hoechstetter bedeutend lauter auf den Handelsstraßen und in den Kontoren, noch ist das Mittelalter im Deutschen Reich nicht ganz zu Ende und die Zeit der Renaissance nicht vollständig angebrochen. Von den rationalen und vernunftgeprägten Republiken südlich der Alpen zurück in die finsteren Gassen deutscher Städte, durch die Angst und Aberglaube schneller kriechen als die zähen Abwasser in der Kotrinne, führt das Geschick Peter Bernward dieses Mal.

Innerhalb weniger Tage sind zwei Angehörige des Hauses Hoechstetter ermordet worden. Hat sich ein skrupelloser Mörder zum Ziel gesetzt, die reichen Familien auszulöschen? Oder ist es am Ende gar kein menschlicher Täter, der die Morde begangen hat? Die Opfer wurden hinter von innen verschlossenen Türen gefunden, und die am Tatort hinterlassenen Spuren nähren ein Gerücht, das man nur zu flüstern wagt: Der Engel des Todes geht durch die Stadt und holt die Sünder.

Die Stimmung ist gedrückt, die Gewaltbereitschaft groß und jeder Fremde sofort verdächtig. Das bekommt auch der ehemalige Kaufmann Peter Bernward zu spüren, der in der Stadt, die einmal seine Heimat war, nach seiner Tochter Maria sucht. Als er den Hinweisen eines undurchsichtigen Alchimisten folgt, kommt ihm der furchtbare Verdacht, dass zwischen Maria udn den Verbrechen eine Verbindung besteht. Er ahnt, dass es weitere Morde geben wird, und bald weiß er nicht mehr, wen er schützen soll - seine Tochter oder das mögliche nächste Opfer ...





Der Sohn des Tuchhändlers

ISBN Originalausgabe: 3-431-03674-0
ISBN Taschenbuch: 3-404-15809-6






"Wir sehen durch einen Spiegel ein dunkles Bild."

1. Korinther 13,12



Krakau, 1486: Peter Bernward hat sich mit seiner Gefährtin Jana Dlugosz und dem von ihr adoptierten Sohn Paolo in Janas Heimatstadt Krakau niedergelassen. Mit Mojzesz Fiszel, dem Hofbankier des Königs, verbindet ihn eine freundschaftliche Beziehung. Trotzdem ist Peter nicht begeistert, als Mojzesz ihn um einen Gefallen bittet.

Der Sohn eines der jüdischen seniores, ein junger Mann namens Samuel ben Lemel, wird beschuldigt, der Tochter eines christlichen Ratsherrn Gewalt angetan zu haben. Der Vater der jungen Frau ist bereit, die Sache auf dem Verhandlungsweg aus der Welt zu schaffen, und Samuels Vater ist nur zu gerne dazu bereit - denn wenn die Sache öffentlich wird, ist das Leben beider junger Menschen ruiniert. Mojzesz bittet Peter darum, den Unterhändler zu spielen und die Sache ohne großes Aufsehen abzuwickeln.

Peter kommt die Bitte mehr als ungelegen, denn nach all den Jahren ist es ihm endlich gelungen, zwei seiner drei Kinder zu einer Aussöhnung mit ihrem Vater zu bewegen und seine frühere und seine jetzige Familie miteinander zu vereinen. Peters älteste Tochter Sabina und sein Sohn Daniel sind auf dem Weg nach Krakau. Peter ahnt, dass die Aufgabe, den christlichen Ratsherrn und den jüdischen Kaufmann zusammenzubringen, mehr Zeit benötigt, als er angesichts der bevorstehenden Aussprache mit seinen Kindern erübrigen will.

Was Peter nicht ahnt, ist, wie heikel diese Mission in Wahrheit ist. Seit Jahren werden die polnischen Handwerker in Krakau von den deutschen Patriziern unterdrückt, seit Jahren herrscht eine mühsam unterdrückte antijüdische Stimmung in der Stadt, die die größte Judengemeinde des Mittelalters beherbergt. Unter der Oberfläche brodeln die Emotionen. Was Krakau am wenigsten braucht, ist ein Narr, der in der Nähe dieses Pulverfasses mit dem Feuer spielt.

Zunächst glaubt Peter, Samuel ben Lemel, der arrogante junge Beschuldigte, sei dieser Narr. Doch dann taucht Pater Julius Avellino auf, ein Hetzprediger, der schon eine Spur aus Feuer durch das Deutsche Reich gezogen hat ...